Fazit

Mit drei durchgeführten Fokusgruppeninterviews sowie einer quantitativen Befragung von 17.330 deutschsprachigen Fußballfans, handelt es sich bei dieser Studie um die derzeit größte wissenschaftliche Untersuchung im deutschen Profifußball. In Anbetracht der Tatsache, dass die Verteilung der unter den Befragungsteilnehmern vertretenen Lieblingsvereine mit nur wenigen Ausnahmen mit der zum Befragungszeitpunkt aktuellen Zuschauertabelle der 1. und 2. Fußballbundesliga übereinstimmt, kann davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse dieser Befragung dem realistischen Abbild der Wirklichkeit entsprechen.

Zwei Drittel aller befragten Fußballfans (66,5%) sind der Meinung, dass die Vermarktung von Fußballvereinen notwendig ist im Profifußball. Dieses Ergebnis ist elementar wichtig im Hinblick auf die Seriosität dieser Befragung und ihrer Eignung als Grundlage für eine dringend benötigte Diskussion. Es handelt sich bei den hier befragten Fußballfans eben nicht um grundsätzliche Gegner des Fußballbusiness, die pauschal gegen alles und insbesondere die Fußballkommerzialisierung sind. Vielmehr unterstützt dieses Ergebnis empirisch die in den Fokusgruppeninterviews beobachtete Haltung der Teilnehmer: die große Mehrheit sind Fans, die den Fußball lieben, den Profifußballvereinen auch das Recht zur Vermarktung zugestehen, die sich gleichzeitig aber auch um die Entwicklung des Profifußballs sorgen und die Probleme klar beim Namen nennen. Insofern sollte diese Studie von den Entscheidungsträgern des deutschen Profifußballs ernst genommen werden.

Die größten Probleme des (deutschen) Profifußballs basieren der Untersuchung zufolge vor allem auf dem primären Streben (der Profifußballvereine, der Funktionäre, der Spieler und ihrer Berater) nach noch mehr Geld, der ungleichen Verteilung dieser Gelder und den sich daraus ergebenden negativen Folgen für den Profifußball (Entfremdung, Realitätsverlust, Wettbewerbsverzerrung, Langeweile). Im Endergebnis bleiben bei dieser Entwicklung die Fans auf der Strecke.

Insbesondere drei Ergebnisse sollten den Entscheidungsträgern im Profifußball zu denken geben: Mehr als Dreiviertel aller befragten Fußballfans (78,4%) haben den Eindruck, dass den Funktionären das Geld wichtiger zu sein scheint als der Fußball an sich. Acht von zehn befragten Fußballfans (83,3%) sind der Meinung, der Profifußball müsse aufpassen, dass er sich nicht noch mehr vom Fan entfernt. Und mehr als jeder zweite befragte Fußballfan (51,4%) gab an, sich früher oder später vom Profifußball abzuwenden, sollte sich die Fußballkommerzialisierung weiterhin so entwickeln.

Um die aktuellen Probleme im (deutschen) Profifußball ein Stück weit zu beheben, sind nach Meinung der befragten Fußballfans in Zukunft klare finanzielle Regeln erforderlich. Ein Beispiel dafür könnte die Einführung eines salary caps sein, der die ständig wachsenden Gehälter der Spieler begrenzt. Zudem sprechen sich die befragten Fußballfans für eine Rückbesinnung auf fanfreundliche Anstoßzeiten sowie eine gerechtere Verteilung der TV-Gelder aus, um auch hier wieder für mehr Wettbewerb innerhalb der Liga zu sorgen. Darüber hinaus ist die Stärkung von Faninteressen ein großes Thema, etwa durch die Verpflichtung von Profifußballvereinen, in ihren obersten Kontrollgremien (i.a.R. der Aufsichtsrat) einen gewählten und qualifizierten Fanvertreter zu installieren.